Die überregionalen Bundesstraßen und Bundesautobahnen sind Schnellstraßen. Straßen, die dazu gebaut wurden, lange Strecken möglichst schnell und ohne Hindernisse zurücklegen zu können. Dabei hat jeder Benutzer unterschiedliche Bedürfnisse, so unterschiedlich wie die Menschen eben sind. Der Gesetzgeber gibt dazu als Grundlage einen Handlungsrahmen vor, innerhalb dessen sich die Benutzer bewegen sollen. Speziell das Rechtsfahrgebot dient dazu, allen Benutzern der Schnellstraßen zu ermöglichen, diese trotz unterschiedlicher Geschwindigkeitsprofile des Einzelnen möglichst reibungsfrei nach individuellen Erfordernissen zu befahren und dabei andere Nutzer mit anderen Erfordernissen möglichst wenig zu behindern.
Der soziale Gedanke ist wichtig. Ich will mein Ziel erreichen, alle andere wollen das auch. Jedem steht das gleiche Recht zu, unabhängig davon, wie er dies innerhalb des gesetzlichen Rahmens erreichen will.
So weit, so schön, so die Theorie.
Genau, wie man selbst eine gewisse Vorstellung hat, in welcher Zeit man sein Fahrtziel erreichen möchte, gilt das auch für alle anderen Nutzer der Autobahnen. Abhängig vom persönlichen Zeitpolster und vielen anderen Faktoren wie eben auch Fahrzeugtyp und insbesondere Motorleistung können diese Vorstellungen recht deutlich voneinander abweichen. Das wäre an sich kein Problem, wenn jeder dem anderen einfach seine individuellen Ziele und Möglichkeiten diese zu erreichen zugestehen würde, man die Gefühle außen vor lassen könnte und einfach nur versuchen würde, das Befahren der Autobahn emotionslos zu betrachten, weil jeder nur eines will, nämlich möglichst problemlos im Rahmen seiner Möglichkeiten am Ziel anzukommen. Manchmal würde es sogar sicher auch einfach nur genügen, 100% seiner Aufmerksamkeit in die Bedienung des Fahrzeuges zu investieren und immer wieder sein eigenes Handeln objektiv und kritisch zu hinterfragen, über den eigenen Horizont hinaus, für die Bedürfnisse der Gesamtheit. Leider geschieht dies allzu häufig nicht. Es wird mit dem Beifahrer geschwatzt, telefoniert, mancher hat vielleicht auch noch zu wenig Fahrerfahrung, ja vielleicht sogar Angst. Angst vor Geschwindigkeit, Angst vor Spurwechseln, Angst vor den Risiken der Mobilität an sich? Jeder braucht die Mobilität, will deren Vorteile nutzen können, aber will er auch die damit verbundenen Risiken tragen, ist bereit entsprechende Fähigkeiten zu erwerben und zu pflegen?
Und genau hier fangen die Probleme an.
Leben an sich bedeutet Risiko. Im Moment, in dem wir als Baby das Licht der Welt erblicken, beginnt das bereits. Jederzeit kann uns im Leben irgendetwas Schlimmes zustoßen, im Zweifelsfalle ist das sogar tödlich. Mit jeder Handlung, die wir im Leben begehen, setzen wir uns neuen Risiken aus und entziehen uns anderer. Das ist ganz normal, keiner kann dem entgehen. In dem Moment, in dem wir uns entscheiden, die Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge zu erwerben, entscheiden wir uns nicht nur für einen großen Zugewinn an Mobilität in unserem Leben, wir entscheiden uns auch für ein erhöhtes Risiko, durch diese Mobilität einen persönlichen Schaden zu erleiden. Das ist eine persönliche Abwägung, die von den meisten Menschen aber wohl eher unbewusst entschieden wird. Fahrerlaubnis? Klar, die will ich haben, die muss man doch haben, die gehört einfach dazu. Dass man als aktiver Verkehrsteilnehmer im motorisierten Straßenverkehr mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit verletzt oder gar getötet wird als als Fußgänger, daran denkt bei der Entscheidung pro Führerschein wohl kaum einer. Diese (ziemlich geringe) Wahrscheinlichkeit ist aber der Preis für die Mobilität wie wir alle sie kennen und nicht mehr missen wollen. Das ist Fakt!
Weiterhin muss man sich jederzeit bewusst sein, dass Autofahren eine anspruchsvolle Tätigkeit ist, die man nicht mal eben nebenbei erledigen kann. Es braucht Konzentration und Können, aktiv und solide am öffentlichen Straßenverkehr teilzunehmen. Das heißt dann eben nicht nur, möglichst bequem eine Spur zu besetzen und sich dort auszuruhen, nein es heißt immer wieder, sich dem Verkehrsaufkommen im Rahmen der geltenden Regeln anzupassen, und dazu gehören auch die Spurwechsel zurück nach Rechts, dazu gehört eine deutliche Geschwindigkeitsdifferenz bei Überholvorgängen, dazu gehört, andere Verkehrsteilnehmer so wenig wie überhaupt möglich zu behindern.
Aufmerksamkeit. Umsicht. Rücksichtnahme.
Egoismus ist keine Basis für Mobilität!
So wie ich mein Ziel erreichen will, muss ich es auch den anderen Verkehrsteilnehmern zugestehen. Will ich schnell fahren, dürfen andere auch langsam fahren. Und umgekehrt.