Man hört immer wieder das Schlagwort "(Generelles) Tempolimit", wenn man Probleme wie die der Linksspurschleicher anspricht. Könnte und sollte denn ein Tempolimit tatsächlich der richtige Weg sein, diese Probleme zu beheben? Das Allheilmittel gegen die Probleme auf den Autobahnen?
Wir sagen klar NEIN!
Klare Fakten, Argumente dagegen:
99% des deutschen Straßennetzes sind bereits limitiert. [Quelle - Wikipedia et al.]
47% des deutschen Autobahnnetzes sind bereits limitiert. [Quelle - Wikipedia et al.]
60% der Verkehrsteilnehmer auf den wenigen freigegebenen Strecken fahren nicht schneller als 130km/h, nur 15% überschreiten 150km/h. (STMI Bayern 2003)
Nur 6.2% aller Unfälle mit Personenschäden geschehen auf Autobahnen. [Quelle - ADAC 2006 (PDF) et al.]
Externer Videolink zum Thema Tempolimit - Aufklärung durch AMStv
Weitere Argumente:
Wer ein Tempolimit möchte, darf das gerne für sich persönlich entscheiden, das Recht auf eine Fortbewegung mit maximal 130km/h hat doch jeder, dazu gibt es übrigens die Richtgeschwindigkeit. Unter Beachtung des Rechtsfahrgebotes ist ja trotzdem allen Verkehrsteilnehmern weiterhin ein Fortkommen nach ihren eigenen individuellen Bedürfnissen gewährleistet.
Ängste vor hohen Geschwindigkeiten Anderer
basieren immer auf der eigenen Unfähigkeit, selbst mit solchen Geschwindigkeiten
umzugehen, sei sie technischer (Fahrzeugpotential) oder kognitiver Natur
(Erfahrungen). Man nimmt seinen eigenen Wissens- und Erfahrungshorizont schnell
subjektiv als für alle geltenden Grenzwert war. Dies ist aber eben nur subjektiv
und nicht allgemeingültig. Objektiv haben diese Leute häufig einfach zu wenig
Erfahrung, können nicht so gut fahren, wie es der Allgemeinheit gerecht würde.
Die meisten behaupten auf Nachfrage gerne, sie seien gute Autofahrer. Die
wenigsten sind es wirklich.
Man kann nicht die Normen herunterschrauben, weil einige Wenige nicht fähig oder
sogar nicht willens sind, diese zu erfüllen. Hart ausgedrückt, wer nicht willens
ist, sich ausreichend selbst permanent nachzuschulen, zum Beispiel durch
Teilnahme an Fahrsicherheitstrainings, der muss im Zweifelsfall der Autobahn oder
Bundesstraße fern bleiben und auf Landstraßen ausweichen, um andere
Verkehrsteilnehmer nicht über Gebühr zu belasten. Dieser Unwillen darf nicht als
Rechtfertigung dafür dienen, leistungsfähigere oder -willigere
Verkehrsteilnehmer ihrer Rechte zu berauben.
Dieses Land wurde nicht groß durch Langsamkeit, durch Mitschleifen jedes noch so unfähigen oder unwilligen Teiles der Bevölkerung. Schnelligkeit ist der Antrieb des Erfolges, in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens, die Rücksicht in vernüftigem Maß bleibt dabei nicht auf der Strecke. Der Lernstoff in den Schulen wird ja auch nicht an den schwächsten Schülern orientiert, es wird immer welche geben, die auf der Strecke bleiben müssen, so hart sich das lesen mag. Nicht alle sind gleich. Man darf sich nicht nur an den Schwachen orientieren, sondern muss auch den Starken die Möglichkeit einräumen, ihre Möglichkeiten zu nutzen. Nur auf Straßen soll sich offenbar nach dem Gutdünken Einzelner wirklich jeder bewegen dürfen, die Fahrerlaubnis quasi als Grundrecht eines Jeden? Sicher nicht!
Zu den immer wieder gerne in's Feld geführten
Unfallstatistiken bleibt nur zu sagen, dass jede Mobilität Risiken mit sich
bringt. Bei der Höhe des Verkehrsaufkommens und der Kilometerleistung auf
deutschen Autobahnen ist der Anteil an verletzten oder getöteten
Verkehrsteilnehmern wirklich verschwindend gering. Es ist erheblich
wahrscheinlicher, innerorts einen Unfall zu erleiden als auf Autobahnen. Es ist
wesentlich wahrscheinlicher, auf Landstraßen am Steuer zu sterben als auf
Autobahnen.
Mobilität in jeder Form heißt auch Unfallrisiko. Das ist Fakt! Die Einzelfälle
verletzter oder getöteter Verkehrsopfer sind tragisch, aber sachlich gesehen
sind diese Opfer schlicht nicht vermeidbar, wo gehobelt wird, fallen auch Späne.
Es sei auch deutlich darauf hingewiesen, dass die Unfälle nicht durch hohe
Geschwindigkeit verursacht werden, Ursache ist abgesehen von wenigen technischen
Mängeln zumeist menschliches Fehlverhalten.
Ein Tempolimit kann also niemals eine auch nur annähernd so gute Lösung sein wie
Schulung und Disziplinierung der Verkehrsteilnehmer. Und wer ist da gefordert?
Die Fahrschulen (siehe striktes Vermitteln des Rechtsfahrgebotes) sicher, aber
vor allem jeder Verkehrsteilnehmer für sich selbst. Die Erwähnung des Wortes
"Eigenverantwortung" scheint in Zeiten der Geiz-ist-toll-Mentalität und des
Vollkaskodenkens nicht unbedingt ein Trend zu sein, aber genau hier liegt der
Kern des Problems.
Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Unfallträchtigkeit gegeben?
Beispiel BAB A2 zwischen Braunschweig und Hannover Ost. Hier wurde vor Jahren bereits ein Tempolimit auf 120km/h eingeführt. Alles für die Verkehrssicherheit natürlich. Zwischen Januar und September 2007 kamen auf diesem Autobahnabschnitt nun wieder 18 Menschen um ihr Leben, bereits mehr als im gesamten Jahr 2006. Experten zweifeln nun bereits an der Geschwindigkeit als Hauptunfallursache, vermuten eher Unaufmerksamkeit der Autofahrer.
In Folge werden jetzt
"neue Ideen" verfolgt, wie man die Aufmerksamkeit der Autofahrer wieder mehr auf
das eigentliche bewusste Fahren lenken könnte, darunter solche Errungenschaften
wie
- Leuchtschilder mit Blinklichtern vor besonders unfallträchtigen Stellen
- Car-to-Car-Kommunikation
- Optimierung der Verkehrsbeeinflussungsanlagen
- abschnittweise Überholverbot für Lastwagen
- langfristig ein europaweites Tempolimit von 130km/h
Wir haben einen Alternativvorschlag: Verbesserung der Ausbildung!
Beim Autofahrer selbst fängt es an, daran ändert auch regeltechnischer Overkill nichts!
Wenn man sich in der Praxis auf den Straßen bewusst ansieht, wie schlafmützig Autos nicht gerade selten durch den Verkehr bewegt werden, unter Verzicht auf Blinken beim Spurwechsel oder beim Abbiegen, unter Missachtung von Rotlicht oder ähnlich gravierender Vorschriften, auch unter Missachtung der Rechtsfahrpflicht, dann kann man nur auf einen Schluss kommen:
Der Ausbildungsstand des deutschen Autofahrers ist in vielen Punkten miserabel! Was heute ganz offensichtlich so die Fahrschulen als für den öffentlichen Straßenverkehr tauglich verlässt, spottet nicht selten jeder Beschreibung.
Ist es inzwischen wirklich so, dass man sich die Fahrschule danach aussuchen kann, wie hoch die Chancen sind, beim ersten Mal die Prüfung zu bestehen? Weil der Fahrlehrer mit dem Prüfer vielleicht ganz besonders "gut kann"? Machen Fahrschulen schneller pleite, wenn ihre Fahrlehrer "strenger" sind als die der Konkurrenz? Warum darf man theoretisch heutzutage beliebig viele "Ehrenrunden" drehen, wenn man die Fahrprüfung nicht geschafft hat? War es früher so falsch, nach der zweiten Wiederholungsprüfung eine MPU einzufordern, bevor man erneut zugelassen wird? Warum werden nicht in Zeiten der Massenmotorisierung Fahrsicherheitstrainings mit in das Führerscheinrecht übernommen?
Hier zeigt es sich nach unserem Dafürhalten mal wieder erneut: wir passen lieber die Standards immer weiter nach unten an, anstatt dem Einzelnen eine adäquate Leistungsbereitschaft und -fähigkeit abzufordern. Warum? Bringt uns das insgesamt weiter? Wohl kaum.
Dazu kommt: nicht jeder muss eine Fahrerlaubnis besitzen können! Das ist kein verbrieftes Grundrecht!
Ist jemand schlichtweg nicht fähig, sich am öffentlichen Straßenverkehr solide zu beteiligen, dann muss er sich auf andere Fortbewegungsarten konzentrieren, Alternativen zum eigenen PKW gibt es ja genug. Kann einer gut fahren, ist keine Last für die Allgemeinheit, dann soll er das auch machen dürfen. Alle anderen dürfen dann eben nur andere Verkehrsmittel nutzen. Nicht wirklich tragisch, ja es ist für die Allgemeinheit besser.
Die heutige Rechtslage ohne ein generelles Tempolimit gibt es doch her!
Die Langsamen, die Schnellen und die große Masse dazwischen können alle die Fernstraßen miteinander befahren, sofern sie sich sozial verhalten, die geltenden Gesetze als "Rahmenabkommen" untereinander beachten, Verantwortung sich und anderen gegenüber übernehmen. Die Probleme beginnen immer erst dann, wenn sich Einzelne über diese Gesetze hinwegsetzen, die Verantwortung über Bord werfen. Das gilt für zu dichtes Auffahren genauso wie für die Nichtbeachtung des Rechtsfahrgebotes. Beide Seiten von Fehlverhalten müssen mit gleicher Härte verfolgt werden, um nicht den Anschein zu erwecken, das Mittelspurparken sei ein Kavaliersdelikt.

Wo Regeln einsetzen, hat das Hirn
kapituliert.
Tempolimit ist das Niederschlagen der Allgemeinheit für die
Unfähigkeit einiger weniger.